New York Marathon - Ich war dabei

Erlebnisbericht einer Marathoni


 
Am Anfang war es nur Träumerei. Nach zwei erfolgreich überstandenen Marathons in der Gruppe der Vulkanläufer habe ich anfangs nur beiläufig erwähnt: " Man müsste mal einen Marathon in New York laufen". Alle schmunzelten und das war`s - vorerst.

Doch nach wiederum einigen Trainingsläufen fragte unsere Trainerin - Inge Umbach - bei einer Planung der Läufe für das Jahr 2005: " Wer läuft einen New - York Marathon mit ? "

Und alle Träumerei rückte in greifbare Nähe. Ich war spontan hellauf begeistert und war sofort dabei. Die Planungs-umsetzung erfolgte dann durch unsere Trainerin in Zusammenarbeit mit dem Reisebüro Bill in Daun.

Am 02. 11. 2005 begann für mich dann eine wunderbare Woche. Mit weiteren 11 Vulkanläufern startete wir vom Flugplatz Frankfurt. In den Tagen vor dem Marathonstart gab es in dieser Weltstadt und seinen Stadtteilen sehr viel Interessantes zu sehen: Empire State Building - Rockefeller Center - Chrysler Building - Brooklyn Bridge -Ground Zero und vieles mehr. Auf keine andere Stadt der Welt trifft nach meiner Meinung das Attribut " Weltklasse " zu - einfach eine Stadt auf der Überholspur.

Dann war er endlich da - der große Tag des New York Marathons. Schon um 7:30 Uhr nahmen wir Platz in dem Bus, der uns zum Start in die Nähe der Verrazano Bridge brachte.

Nervosität kam langsam in mir auf, aber mein Laufkollege Wilfried hatte immer einen Spaß drauf, der einem die Anspannung nahm. Es tat einfach gut in meiner Gruppe zu sein - mit den anderen, denen es bestimmt auch nicht anders ging.

Um 10:10 Uhr war es dann soweit. Es erfolgte der Start mit einem Kanonenschlag. Die Anspannung der 44.000 Marathonis entlud sich in einem lauten Jubelschrei.

Viele werfen überflüssige Kleidungsstücke, die sie bis zum Start noch getragen haben, weg, die dann eingesammelt, gereinigt und an die Obdachlosen New Yorks verteilt werden.

Der Start und die erste Meile wurde über Lautsprecher durch den Hit von Frank Sinatra "New York - New York" begleitet. Ich werfe die Arme hoch und singe mit. Diese vielen Läufer - ein gigantisches Bild - . Ich mitten darin in diesem Pulk; will überholen, mal geht es, meistens nicht, bin umzingelt von Marathonis. Schon an der ersten Verpflegungsstation ist die Straße von weißen Pappbechern übersät. Es knackt jedes Mal wenn man auf einen solchen tritt.

Der nächste Stadtteil ist Brooklyn. Hier stehen die Zuschauer am Straßenrand, die Kette unterbrochen von Musikgruppen, welche fetzige Rockmusik spielten. Die Musik geht in`s Blut, feuert an. Ich laufe wie ein Uhrwerk. Es läuft. Meine Arme fliegen zum Himmel - ich bin glücklich dabei zu sein. New York - mein Traum.

Über die Pularski Brücke geht es weiter nach Queens- dem dritten Stadtteil. Queens ist der größte Stadtteil mit großen Wohngebieten. Wir erreichen die Halbmarathonmarke mit 13 Meilen oder 20,92 Kilometer. Ich fühle mich noch blendend.

Ich laufe weiter im Pulk der Läufer, der sich langsam lichtet. Es geht über die Queensborough Brigde nach Manhattan. Immer noch der große Zuschauerjubel. Besonders die Kinder freuen sich, wenn sie die Läufer abklatschen und ihnen hier und da Bananenstücke reichen können.

Nach dem Überqueren der Brücke kommen wir auf die First Avenue und es geht kilometerweit nach Norden. Vor mir Tausende von Läufern auf sieben Fahrspuren - ein großartiger Anblick. Ich denke an die vielen Daheimgebliebenen, die mir im Vorfeld viel Glück gewünscht haben und an mich denken wollen. Diese Gedanken tragen mich jetzt.

Von Manhattan geht es über die First Avenue Bridge weiter in den Stadtteil Bronx. Von hier laufen wir weiter in den Stadtteil Harlem.

Es ist um die Mittagszeit -eigentlich für mich zu warm; ich schwitze; meine Kräfte lassen nach. An der nächsten Verpflegungsstation trinke ich wie die vorigen male auch - aber es bekommt mir nicht. Ich verlangsame mein Lauftempo um den Puls zu reduzieren.



Jetzt kommt das schwerste Stück des Marathons- die langgezogenen Anstiege zum Central Park. Ich kämpfe, kämpfe mit mir, ein Bein vor das andere. Der "Mann mit dem Hammer" ist da. Aber nur nicht aufgeben. Ich laufe weiter.

Das letzte Stück Marathon - Einlauf in den Central Park. Ich habe das Ziel von weitem vor Augen. Jetzt noch mal alle Kräfte mobilisieren. Noch 6 Minuten - 5 - 4 - 3 -2- 1. Ich hab´s geschafft.

Mit erhobenen Händen laufe ich über die Ziellinie. Ich schaue auf die große, digitale Zieluhr über der Zielgeraden. Sie zeigt eine Zeit von 03:53 Stunden an. Nettozeit war dann 03:51.

Ich bin überglücklich. Betreuer kommen auf mich zu, umarmen mich und legen mir die Medaille mit den Worten " Congratulation, you are a winner" um. Mit dieser Siegermedaille bin ich noch im Zielbereich fotografiert worden. Anschließend haben die Helfer mir eine Marathon - Folie zur Wärmung umgelegt - heute auch eine meiner Erinnerungsstücke. Es wird ein Verpflegungspaket gereicht.

Das war`s dann. Ich werde gratuliert und gratuliere die Mitläufer. Ein Glücksgefühl überkommt mich. Ich war bei einem New-York Marathon dabei. Mein großer Wunsch ging in Erfüllung - eines meiner schönsten Erlebnisse.

Hilde Haep
 

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